"Weite Wasser" - Corinna Kraus-Naujeck und Evelyn Stein (bis 15.4.)metz (bis 15.4., Bunker D)
Bunker-D - HAW Kiel
Wie wirkt scheinbar Vertrautes bei Reduktion auf seine Essenz? Wie viel Wandlung steckt in serieller Wiederholung? Welche Rolle spielen Leerstellen? Fragen zur Wahrnehmung faszinieren die Künstlerinnen Evelyn Steinmetz und Corinna Kraus-Naujeck seit langem. Außerdem teilen sie ein Faible für Stille. Im Bunker-D der HAW Kiel treten die beiden Schleswig-Holsteinerinnen nun erstmals in einen künstlerischen Dialog. Ihre Ausstellung „Weite Wasser“ wird am Donnerstag, 5. März 2026, um 18 Uhr eröffnet.
In ihrer gemeinsamen Schau setzen sich beide Künstlerinnen mit Landschaften und Naturphänomenen auseinander. Sie zeigen neuere Arbeiten auf und mit Papier, bearbeiten ihre Bildmotive mit verschiedenen Techniken. Steinmetz und Kraus-Naujeck loten das Medium Fotografie bis an die Grenze zum Grafischen aus. Zentrales Motiv ist das Wasser.
Evelyn Steinmetz reduziert ihre fotografierten Motive mittels Über- oder Unterbelichtungen und Bearbeitungen am Rechner teils bis zur Unkenntlichkeit. So isoliert sie zeichenhaft angedeutete Extrakte eines Motivs, etwa Wellen oder Seetang, und stellt sie einander gegenüber. In der achtteiligen fotografischen Serie „Wellenbilder“ ergeben sich durch die Reduktion auf Ausschnitte und deren Addition in einer vergleichenden Anordnung neue Sichtweisen auf scheinbar vertraute Motive. Die Reihe „Sand rot“ zeigt Sandformationen im Abendlicht: durch Zoomen mit dem Handy grob gepixelt und sich in die Abstraktion verändernd.
Corinna Kraus-Naujeck zerlegt fotografierte Naturbeobachtungen in Fragmente und grafische Strukturen. Linien, Farbflächen und fotografische Details treten in einen Dialog, der den Prozess einer Transformation aufzeigt. Kraus-Naujeck erweitert das Gesehene um Pigmentstift-Zeichnungen, die als schwarz konturierte Ausläufer eine organische Rhythmik fortsetzen. Fotografik nennt sie diese Arbeitsweise. „What lies beneath?“ heißt ihr neues, über zwei Meter hohes Triptychon aus zweilagigem Seidenpapier, auf dem vorderseitig Zeichnungen liegen und der untere Layer mit einem Farbauftrag aus Acryl und Schellacktinte durchscheint. „Die Technik der Schichtung beinhaltet eine vertiefende Auseinandersetzung mit unterschiedlich wahrgenommenen Wirklichkeiten“, so Kraus-Naujeck.
Ähnlich imposant, jedoch mit leiser Zurückhaltung, die Ästhetik in Evelyn Steinmetz‘ Werk „Tangzeichen“. Wie geheime Botschaften aus dem Meer, filigran, zurückhaltend lehnen die 1,30 Meter hohen Aluminium-Stelen mit Tangfäden zwischen Acrylglas an der Wand. Wie ein Mensch auf zwei Beinen, dem man neugierig entgegengehen darf. „Meine Arbeiten bieten nur Fragmente“, sagt die Künstlerin, „fast zu Zeichen verdichtete Motive, die - in den leeren Raum gestellt - im Kopf des Betrachters Raum zum Ergänzen bieten.“
Im Nischenraum des Bunker-D zeigt eine parallele Hängung raumumfassender Banderolen ihre Polarität besonders: Mit ihrer 45 cm hohen und fast 16 Meter langen Faserstiftzeichnung „Fisch lang“ vollzieht Evelyn Steinmetz‘ den Prozess zwischen Verarbeitung und Verzehr als zeichnerisches Spiel von Fragmenten und Leerstellen nach, die allmählich verschwinden. Corinna Kraus-Naujeck präsentiert dazu einen Ausschnitt ihrer bis zu 17 Meter langen und 12 cm hohen Arbeit „Hokkaido Nordmeerbezirk“. Das fragmentarische Prinzip ihrer Arbeitsweise entrollt sich - wie ein „Einsammeln von Naturerscheinungen“ - zu einem wie archetypischen Landschaftspanorama.